LUDWIG II.PRESSESTIMMEN

nach dem Film von Luchino Visconti
Willems, in den Niederlanden ein Theaterstar - optisch geht er als der große Bruder des Popsägers Robbie Williams durch -, ist ein Schauspieler, dem man nicht nur gerne zuschaut, sondern dem man auch gerne ansieht. Dieser Künstler weiß auch als düster umschatteter, von allen Klischees befreiter Bayern-Kini zu faszinieren (...) Brigitte Hobmeier spielt Sissi mit der robusten Geschmeidigkeit einer Raubkatze, die bald freundlich kokett schnurrt, bald aggressiv faucht und brüllt und ihrer Schwester Sophie (schön backfischfrisch: Katharina Hackhausen) schon mal eine scheuert, bevor sie der Unglücklichen, die tatsächlich Ludwig liebt, dessen sexuelle Vorliebe für junge Männer erklärt. (...) Nicht zu vergessen die wunderbar wandlungsfähige Sylvana Krappatsch als Königin Mutter, Cosima Wagner und für den König einbestellete Prostituierte.
Süddeutsche Zeitung
Willems bringt die Zerrissenheit Ludwigs perfekt zum Ausdruck. Mit jeder Faser seines Körpers will er sagen "Der König möchte alleine an deinen Träumen arbeiten". Er blickt an den Leuten vorbei, seine Gesprächsgesten sind linkisch, ständig wischt er sich den Schweiß von der Stirn, als bereite es ihm größte Anstrengung, sich jemand anderem zuzuwenden. Wenn er aber von der Musik Wagners spricht, sprüht er vor Begeisterung, sein Körper richtet sich auf, alles Fahrige fällt von ihm ab. Das ist der Mann, den Sissi von Österreich lieben könnte. Gespielt wird sie von Brigitte Hobmeier als fast aggressive Frau, immer auf dem Sprung, auf der Flucht vor Einengung. Im Zusammenspiel mit Willems kann man sich gut vorstellen, dass die beiden historischen Persönlichkeiten ein explosives Paar abgegeben hätten. Die schauspielerischen Leistungen liegen durch die Bank auf hohem Niveau. Wolfgang Pregler gibt als Wagner einen genialen Giftzwerg, Edmund Telgenkämper überzeugt als Graf Dürckheim, die Ludwig ergebene und verzweifelte Stimme der Vernunft, die nicht zu ihm durchdringt. Eine Überraschung sind auch die mehrfach facettenreich besetzten Nebenrollen. Im Fall von Sylvana Krappatsch etwa fällt erst nach einem Blick in die Besetzungsliste auf, dass Königinmutter Cosima Wagner und eine dem König zugeführte Liebesdame von der selben Person gespielt werden.
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Noch nie hat das Münchner Publikum die Gestalt seines Märchenkönigs so ungeschönt und unverkitscht dargestellt gesehen und gleichzeitig so verloren und verletzt wie gestern Abend im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele. Der belgische Gastregisseur Ivo van Hove folgt mit seiner Theateradaption weitgehend dem Drehbuch von Luchino Viscontis Film "LUDWIG II." aus dem Jahr 1972, verzichtet dabei jedoch rigoros auf historisierenden Prunk und äußerliche Ähnlichkeiten. Stattdessen unternimmt er eine beklemmende Expedition in die Gedankenwelt dieses erstaunlichen Monarchen - vom kühnen Aufbruch in ein imaginiertes Reich der Kunst bis zum Rückzug in die totale, wohl auch von psychotischen Symptomen begleitete Isolation.
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Das Stück will nicht historische Fragen lösen, sondern den Menschen erklären, der uns und sich ein ewig Rätsel bleiben wollte. Das beginnt schon mit der Art, wie Jeroen Willems mit Peter-Lorre-Blick den jungen König spricht und sich bewegen lässt: immer wie im Schraubstock, dadurch oft geschraubt prononciert, doch um Worte ringend, sich windend im Triebdruck, entwindend der Gesellschaftspflicht, die doch das verhindert, wovon dieser König träumt: Eine Welt, geläutert durch reine Kunst. In diesem Fall die Kunst Wagners. Wolfgang Pregler spielt diesen Mann zwielichtig gespalten zwischen echtem Freund und Opportunisten mit selbstsüchtigem Größenwahn. Wagners menschliche Unreinheit ist auch die erste große Desillusionierung des jungen Königs, der mit Freundschaftspathos echte Nähe versucht, die zwischen König und Untertan immer scheitern muss. (...) Brigitte Hobmeier legt Sissi als Anti-Romy an, scharfsinniger, derber - reitpeitschig tanzt sie den Anderen auf der Nase herum.
Abendzeitung
Was die Aufführung (...) faszinierend macht, ist der Multimedia-Mix zwischen Spielszenen, Film-Sequenzen, Lauftexten und Original-Wagner-Klängen, für die Silke Avenhaus am Flügel immer wieder viel Zeit einräumt, in der Inszenierung und Darsteller den Atem anhalten. Ungeheuerlich gut auch die szenischen Übergänge, wenn Ludwig eine weiße Bühnenwand durchschreitet - und man ihn in gold-weiß-verzierten "Original"-Gemächern wiedersieht. Wie großes Kino.
Augsburger Allgemeine