KLEINER MANN - WAS NUN?PRESSESTIMMEN

von Hans Fallada. In einer Fassung von Luk Perceval
[...] Figuren, die der Gefangenschaft gesellschaftlicher Zwänge zum Opfer fallen, scheinbar gottverlassen, glücksverlassen. Hier sieht man sie träumend vor den mannigfaltigen Flügelaltären des Lebens, Triptychen aus sorgenvoller Gegenwart, verdrängenswerter Vergangenheit und ungewisser Zukunft, während sie genauso melancholisch wie geisterhaft bewegte, farblose Erinnerungen begleiten und ihre existentiellen Ängste dennoch aktueller denn je erscheinen.
FAZ
Eingerahmt von einem wirklich wunderbaren und wandlungsfähigen Ensemble stehen Paul Herwig und Annette Paulmann als die Pinnebergs im Mittelpunkt, er als ein zarter spitzbübischer aber verlorener Junge [...] sie als naive Standfeste, die ihre nicht versiegen wollende Hoffnung ganz aus ihrer Fülle schöpft. [...] Mit ihnen schafft es Luc Perceval das Publikum ganz ohne Pathos in eine Identifikation zu führen und über 2mal 2 Stunden Spieldauer zu bannen, nicht ohne es immer mal wieder durch Humor aus der Kurve zu hauen, so dass einem etwas passiert, was sonst eigentlich nur ein gutes Buch schafft: man will, dass das nicht aufhört!
Deutschlandradio Kultur
Perceval macht nicht das Roaring-Twenties-Fass auf wie einst Peter Zadek in seiner großen Fallada-Sause; er zeigt die Härten ungemildert, aber auch mit komischen Tupfern. In den vielen skizzenhaften Neben- und Episodenfiguren spielen die Ensemblegrößen ihren Aberwitz aus: Gundi Ellert und Wolfgang Pregler, André Jung und Hans Kremer, Stefan Merki und Peter Brombacher. Sie machen das mit so hinreißender Leichtigkeit und mit so viel Gefühl, dass man nicht von ihnen lassen möchte. Zum Glück gibt es keinen Vorhang an diesem Abend, man könnte kaum ertragen wenn er sich schlösse und die Frage offen ließe: Kammerspiele - was nun?
Süddeutsche Zeitung
Perceval packt das Problem der Dramatisierung eines Romans frontal bei den Hörnern mit einer Fassung, die zwischen Erzähl-Text und Dialog fließend hin- und herwechselt. Das ermöglicht Szenen von großer Intimität und Innigkeit ebenso wie ein Brecht'sches, distanzierendes Hindeuten auf die Verhältnisse, die nun einmal so und nicht anders sind und dem "kleinen Mann" keinen Gedanken über das Essen für den nächsten Tag hinaus erlauben.
tz