'Hiob' nach dem Roman von Joseph Roth an den Münchner Kammerspielen ist ein Theaterwunder von biblischen Ausmaßen. (...)
André Jung spielt den Abdruck, den unfassbare Schicksalsschläge auf der Seele eines Menschen hinterlassen. Und zwar nicht nur auf der Seele Mendel Singers, sondern auf der Seele der Menschheit an sich. Und doch steht er nur für sich. Ganz allein. Selbst im glücklichen Ende. Wie tief, wie schön, wie beglückend. Bayerische Staatszeitung
Die Schauspieler müssen in Simons' betörend kluger Arbeit den Überdruck unleidlicher Verhältnisse in den jeweils knappestmöglichen Haltungen und Gesten ausstellen. (...)
So endet, unter frenetischem Jubel, in München eine der berührendsten Inszenierungen seit sehr langer Zeit. Der Standard
Dort, zwischen Trostlosigkeit und Wahnsinn, lässt Simons sein Publikum den Roman in kurzen, fast gleichnishaften Kapiteln nacherleben (...). Besonders zum Ende hin erschafft der holländische Regisseur eine naive, unkitschige Menschlichkeit, gerade weil er den kleinen Schritt höher wagt, hin zur Künstlichkeit, die seine Bühne forciert. Um diese schließlich fallenzulassen - in ein herzlich empfundenes und ebenso beklatschtes Mitleid. FAZ
Diese Aufführung ist so ergreifend wie der Roman selbst, sie rührt und erschüttert und lässt einen da lachen, wo die Tragik des Lebens nicht ohne Komik auskommt. Diese Aufführung ist nie sentimental, vermeidet jegliche Tümelei, verzichtet auf "jiddisches Milieu" sowie bebildernden Realismus. Und den Reichtum der Charaktere, die Fülle ihrer Widersprüche, durch die sich Roths Prosa auszeichnet, was aber eine Dramatisierung nie leisten kann, bringen die Schauspieler mit. Allen voran André Jung als Mendel Singer. Er spielt ihn zunächst herb, streng, scheinbar ohne jeden Aufwand. Und strahlt dabei doch die Last des Lebens aus, der er sich fügt. (...)
Und das gesamte Stück ist mit einem raffinierten Klang- und Geräuschteppich unterlegt, mit fernen Stimmen, leiser Musik, Tönen aus der Natur. Alles ist von einem poetischen Tauber, dem man sich nicht entziehen will. Münchner Merkur
Es ist das ganze jahrtausendealte Leid seines Volkes, das aus dem Juden Mendel hervorbricht, und wie André Jung das spielt, verschlägt einem den Atem. Wie mit einem einzigen Feuerstoß bringt er das Packeis, das seine Seele gefangen hielt, zum Schmelzen. Der ganze Abend kulminiert in diesem Moment, und es zeigt sich: Alles Böse schleicht langsam, das Plötzliche ist das Gute. (...)
Das Glaubensbekenntnis von Joseph Roth war der Mensch. Johan Simons und sein Ensemble haben diesen Glauben ebenso zartbesaitet wie festentschlossen zum Leben erweckt und eine ganze Welt auf der kleinen Platte der Bühne eingraviert: als leuchtendes Beispiel ihrer Kunst. Und also eine Offenbarung. Süddeutsche Zeitung
Simons führt seine Darsteller über den ganzen Abend hin mit minimalen Mitteln zu großer Intensität, und braucht nicht viel mehr als Vorhänge, die das Karussell umschließen, um Bewegung, innere Bilderfluten, selbst eine Reise um die halbe Welt auf die Bühne zu bringen. APA (Austria Presse Agentur)
Schauplatz der Handlung ist ein symbolischer Ort: ein Karussell (Bühne: Bert Neumann), das in seiner Drehbewegung den ewigen Zyklus von Werden und Vergehen symbolisiert. Doch anfangs, als das Stück noch in Russland spielt, dreht sich das Karussell noch nicht, stattdessen herrscht lähmender Stillstand. Erst in den USA-Szenen glühen dann die Birnen. Doch auch das ist falscher Glanz: der verlockende Glanz der Ersatzreligion Kapitalismus, dem Mendel Singers Familie erliegt. Nur Mendel Singer selbst nicht.
André Jung spielt diesen Mendel Singer in München. Mit einer großartigen schauspielerischen Leistung steht er an der Spitze eines bravourösen Ensembles. Deutschlandradio Kultur
Keine Frage, hier werden große Dinge verhandelt und als unbedeutender Theaterzuschauer erhält man ein Stück Glück, indem man von da oben voll angepackt wird. Das fühlt sich gut an. www.nachtkritik.de