Dass der Abend trotzdem zwei Stunden lang seine Spannung hält, ist dem germanischen Paar zu verdanken: Kurths undurchsichtigem Hermann, dessen Hundeblick sich immer wieder forschend im Publikum verliert, als seien auch dort noch Genossen in den grausigen Wir-Verbund einzugemeinden. Und Wiebke Puls' Thusnelda, von Hermann perfide zum Mord am kultivierte Verliebtheit verströmenden Ventidius Edmund Telgenkämpers instrumentalisiert.
Den Prozess von der braven deutschen Gattin über die nicht nur durch High Heels Verführbare zur kalt rasenden Rächerin absolviert sie so imposant, dass es plötzlich wieder da ist: das Kleist-Grausen. Theater Heute
Das umstrittene Drama Kleists wurde unter den Händen von Armin Petras zu einer historischen Farce, was sicherlich nicht den Intentionen Kleists entsprach, aber eine sinnfällige Übertragung in eine heutige Lesart war. Petras ließ Kleists grandiose Sprache unbehelligt, verkehrte aber den Sinn des Stücks gegen sich selbst. Die furiose Inszenierung strotzte nur so vor Komik und stellte damit den vielleicht besten Weg dar, Kleist in seinem militaristischen Ethos zu überwinden. Die Botschaft von Armin Petras war unverkennbar. Die Hermannsschlacht an den Kammerspielen München wird mit Sicherheit Furore machen. Also: Nicht entgehen lassen! www.theaterkritiken.com
Armin Petras hat Kleists Hermansschlacht um Texte Grabbes Stück ergänzt und erspielt in seiner Fassung nichts weniger, als hochaktuell, den Einsturz gängiger Klischees vom Eigenen und vom Fremden. Er stellt das Stück vom Kopf auf die Füße, und seine Inszenierung wird zum artistsichen Gegensatz zu jenen ideologisch hochaufgeladenen clash of culture-Mythen, die den Texten von Kleist und Grabbe zeitbedingt noch eingeschrieben waren. Das Fanal wird zum dissonanten Pfeifkonzert. Das ist von umwerfender Komik und lenkt den Blick auf die diplomatischen Kampfstrategien des virtuosen Ensemblespiels: auf Berechnung und Intrigen, auf Täuschen, Propaganda uns strategische Affektregulierung. Statt Kampfszenen gibt’s also, live gespielt vom Modern String Quartet Salonmusik. Deutschlandfunk
Nach zwei pausenlosen Stunden applaudierte das Premieren-Publikum freundlich und bejubelte eine sensationelle Wiebke Puls als Thusnelda in den Kammerspielen. Seine Thusnelda ist umso präsenter: Bei Wiebke Puls vibriert alles. Sie holt die Figur in jedem Moment ins Heute, Abendzeitung
Es ist das Verdienst des Schauspielers Peter Kurth, an den Münchner Kammerspielen den Hermann derart facettenreich zu zeichnen, dass er nicht zu fassen ist. Allein das macht einen großen Teil der Spannung dieses Theaterabends aus. Es ist packend wie Wiebke Puls die Verwandlung dieser Frau zeigt. Münchner Merkur
Dass aus dem Unternehmen insgesamt ein gelungener Abend wird, liegt daran, dass Armin Petras trotz aller Distanzierungsunterfangen zu den Figuren den Autor Kleist sehr ernst nimmt. Es steht zu der Sprache und zum Stück. www.nachtkritik.de
Am letzten Freitag in den Kammerspielen ist es Armin Petras gelungen, einen für das 21. Jahrhundert endlich passgenauen Kleist auszuklüngeln, der uns mit dem nötigen Quantum Abstraktion vor allem Folgendes sagen will: Macht wollen wir alle, denn damit wird man reich und sexy. mucbook