HAMLET

von William Shakespeare
Schauspielhaus, ab 02.10.2006
Regie: Lars-Ole Walburg, Bühne: Barbara Ehnes, Kostüme: Anna-Sofie Tuma, Musik: Mark Meusinger, Dramaturgie: Marion Hirte
Mit: Jean-Pierre Cornu, René Dumont, Ulrike Krumbiegel, Christoph Luser, Oliver Mallison, Stefan Merki, Wolfgang Pregler, Katharina Marie Schubert, Sebastian Weber

Der Vater tot, die Mutter mit dem verhaßten Onkel verheiratet, die ganze Welt ein Moloch - korrupt, dekadent, verfettet. So stellt sie sich zumindest Hamlet dar, als er vom Geist des toten Vaters den Auftrag bekommt, den Mord an ihm zu rächen. Ein Auftrag, den zu erfüllen Hamlet immer schwerer fällt, will er sich doch nicht in die Reihe der Totschläger einordnen: weitermorden - warum? So werden wie die Alten - nein! Dann schon lieber Drogen, Wahnsinn oder Selbstmord. Doch mit der Geste des Rebellentums allein ist es nicht getan, Wut und Gewissen mahnen. Auch Hamlets Hände bleiben nicht rein: Er ersticht versehentlich den ersten Minister Polonius, dessen Tochter Ophelia verliert darüber den Verstand. Claudius versucht, den Lästigen loszuwerden, doch Hamlet dreht den Spieß um und liefert seine Überwacher ans Messer. Fatalistisch sucht Hamlet schließlich nach Erlösung im Zweikampf mit Polonius' Sohn. Am Schluß steht die Auslöschung. Selbst bereits tödlich getroffen, erfüllt Hamlet seinen Auftrag, doch der Showdown hinterläßt ein Schlachtfeld.

Lars-Ole Walburg wurde 1965 in Rostock geboren. Der künftige Direktor des Schauspiels Hannover setzt mit dieser vierten Inszenierung nach "Dantons Tod", "Heiliger Krieg" und "Antigone" seine kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Münchner Kammerspielen, der Bühnenbildnerin Barbara Ehnes sowie seine Auseinandersetzung mit Macht und Politik fort. Der Regisseur Lars-Ole Walburg liest Shakespeares Tragödie als Porträt einer Gesellschaft, die an ihrer Abschaffung arbeitet. Eine Gesellschaft, in der Hamlets Versuche zu opponieren, ersticken, denn ohne die Vision einer gesellschaftlichen Alternative, ohne Utopie bleibt Hamlets Rebellion zum Scheitern verurteilt.