"Aufstehen und Gesicht zeigen" ist das gesellschaftliche Motto dieser Tage. Aber gerne, antworten da viele, vor allem wenn eine Kamera in der Nähe ist. Die Kultur- und sonstige Prominenz hat volle Terminkalender: Eine Benefiz-Veranstaltung jagt die nächste, dazwischen die ein oder andere Gala, so manches Konzert und dann die vielen Vernissagen! Am liebsten ist man natürlich dabei, wenn's für die gute Sache ist. Nicht daß die Zwecke weniger heilig wären, weil die Mittel schon schmücken, es feiert sich eben nur angenehmer, wenn das Gewissen beruhigt ist:
"Versuch's doch mal mit Gutes tun, dann wird alles besser! Merci - daß es uns gibt."
Wie in allen seinen musikalischen Theaterabenden versammelt Franz Wittenbrink wieder eine Gesellschaft bürgerlich-melancholischer Existenzen, diesmal anläßlich einer Ausstellungseröffnung: Neben der engagierten Galeristin und dem umworbenen Mäzen gehören auch das Prominentengroupie, der angestrengte Partylöwe oder der jugendliche Kulturprovokateur zu den Archetypen der spätkapitalistischen Mediengesellschaft. Von ihren Sehnsüchten und Ängsten, ihren Leidenschaften, ihrem Neid und ihren Eitelkeiten erzählen sie ausschließlich in Liedern. Von Schubert bis Milva.