"Die Ehe der Maria Braun" ist der 38. Film im kurzen Leben von Rainer Werner Fassbinder und zugleich der erste Teil der BRD-Trilogie, die in "Lola" und "Die Sehnsucht der Veronika Voss" ihre Fortsetzung fand. Für Fassbinder ist "Die Ehe der Maria Braun" 'die Liebesgeschichte zweier Menschen, die so lange dauert, weil sie nicht verwirklicht wird' und zugleich 'ein komplizierterer Film, als die Geschichte zuerst einmal vermuten lässt'. In einem Standesamt, das gerade von einer Bombe getroffen wird, heiraten während des Zweiten Weltkriegs Hermann und Maria Braun. Zwei Tage später muss Hermann wieder einrücken und kehrt auch nach Kriegsende nicht zurück. Maria wartet, schlägt sich durch, erhält die Nachricht, er sei tot. Sie lernt, wie man auf dem Schwarzmarkt tauscht und erprobt die Liebe als eine Art Tauschgeschäft. Sie lernt Männersachen, verlernt darüber aber nie, die Waffen der Frauen zu gebrauchen. Sie arbeitet in einer Bar, beginnt ein Verhältnis mit einem schwarzen GI. Eines Abends, sie will gerade mit ihm ins Bett gehen, steht Hermann in der Tür. Sie erschlägt den Liebhaber. Vor Gericht nimmt ihr Ehemann alle Schuld auf sich und wandert für sie ins Gefängnis. Maria klinkt sich statt seiner ein in das allgemeine Streben nach neuem Wohlstand. Für eine gemeinsame Zukunft am Tag X, dem Tag seiner zweiten Rückkehr. Sie lernt die ökonomischen Grundgesetze der BRD-Gründerjahre, furchtlos und als souveräne Herrin einer ebenfalls durchökonomisierten Gefühlswelt. Ein Irrtum, für den sie am Ende einen hohen Preis bezahlt.
Thomas Ostermeier, 1968 in Soltau geboren, ist Künstlerischer Leiter der Berliner Schaubühne und inszenierte an den Münchner Kammerspielen "Der starke Stamm" und "Vor Sonnenaufgang". Als Gastspiel waren seine Ibsen-Inszenierungen "Nora" (Berliner Theatertreffen 2003) und "Hedda Gabler" (Berliner Theatertreffen 2006) zu sehen.