DER STURMPRESSESTIMMEN

In Prosperos Zimmer, bestimmt durch naturkundliche Zeichnungen und Stiche und einen Flachbildschirm mit einem flauen Ozean in Endlosschleife, zeigt Pucher, dass er von Chris Kondeks Videokünsten auch in konzentrierten Szenen mit schlauen Einzeleffekten Gebrauch machen kann. Doch dass man den Abend mit jedem Auftritt neu genießt, liegt vor allem an einem hervorragenden, Shakespeare mit Lachlust und Wahnsinnswitz umtänzelnden Ensemble. An dessen Spitze raunt, grinst, und regiert Hildegard Schmahls Prospero als minimalistischer Magier in schwarzem Gehrock, mit Schlips und Weste zum weißen strähnigen Haar.
FAZ
Pucher, der für die Abgründe im Spiel, im Glanz und in der Größe, in der Anmaßung und im Wahn unserer Zeit schon immer ein weit offenes Ohr hatte, erzählt den "Sturm" jetzt als Zaubermärchen. Er erzählt ihn als Komödie. Und er findet in seinem Innersten die Ernüchterung. Das ist alles nicht neu, das alles trifft das Stück im Kern, und doch sieht es seit dieser Aufführung so aus, als hätten wir es noch nie gesehen.
Frankfurter Rundschau
"Es beginnt wie im Kino. Die ganze Bühne der Münchner Kammerspiele ist eine Leinwand, auf der ein alter Schwarz-Weiß-Schinken angekündigt wird: "Der Sturm". Nein, nicht der Hollywood-Blockbuster von Wolfgang Petersen, der ist von 2000; auch nicht die Dramenverfilmung von Derek Jarman aus dem Jahr 1980 [...], sondern ein multimediales Schau- und Lichtbühnenspektakel von Stefan Pucher nach Vorlage des letzten Stückes von William Shakespeare - das ist von 1611, sieht hier aber aus wie ein Bildersturm von heute, erfunden von einem phantasievollen Traumfabrikanten, der all den Videogame-, YouTube- und Internetfritzen mal zeigen will, dass das Theater kein alter Hut, sondern ganz auf der Höhe seiner Zeit und dort ungeschlagen direkt und lebendig ist."
Süddeutsche Zeitung
Hildegard Schmahl in dieser Zauber-Männerrolle, ihre Sprechkunst, ihre vieldeutige, nie verdoppelnde Gestik, ihre Leichtigkeit, unterfüttert von Ernst, auch Trauer, sind die Voraussetzung dafür, dass Stefan Puchers Inszenierung von Shakespeares "Sturm", noch im heftigsten Zugriff von Textübersetzung und Regie so glücklich gelingen konnte, nie eine Demontage wird. Sie hält die Fallhöhe, und das bewahrt den mit wunderbar bunten Einfällen überraschenden Abend [...] vor jedem Abrutscher ins Beliebige, nur eben flott "anders" Gemachte.
tz