Die in München lebende Autorin Kerstin Specht richtet in ihrem neuesten Stück einmal mehr ihren poetischen Blick auf die kleinbürgerliche Enge jener Kleinstädte, die austauschbar und blank geputzt als Flecken der inneren wie äußeren Perspektivlosigkeit die deutsche Landkarte spicken. Mit einer kunstvoll verknappten Sprache zeichnet die Autorin dabei Figuren und Verhältnisse von eindringlicher Intensität. Sie beschreibt die hilflosen Versuche eines jungen, kaum der Pubertät entwachsenen Paares, einen Platz in dieser beengenden Welt zu finden. Die junge Anna und ihr Freund Emil versuchen sich auf unbeholfene Weise von der Übermacht der Mutter zu befreien und geraten dabei in den Strudel sexueller, ökonomischer und religiöser Gewalten. Hinter der sozialen Beschreibbarkeit ihres Lebens, das aus Hausbau, Autokauf und Kinderwunsch besteht, verbirgt sich eine emotionale Tragödie. Die fühllosen Körper werden zu Markte getragen, die Sehnsüchte nach der eigenen Erkennbarkeit lösen sich auf in Pop- und Videoklischees, bis das verzweifelt naive Verlangen nach Erlösung Anna und Emil in tragische Verstrickungen treibt. Ist die Welt der Supermarkt, in dem wir nach Lust und Laune unsere Identitäten aus den Regalen nehmen können, dann erzählt Kerstin Specht die Geschichte jener Menschen, die von der Oberfläche des Angebotes schlicht überfordert und den übermächtigen Ansprüchen ihrer Ängste, Begierden und sozialen Rollen ausgeliefert sind.