Geschichte
Die Otto Falckenberg-Schule kann auf eine über 60jährige Geschichte zurückblicken. Im Juli 1946 beschließt der Münchner Stadtrat die Angliederung einer Schau-spielschule an die Städtischen Bühnen unter der Leitung des Generalintendanten
Erich Engel. Sie hat den Status einer Berufsfachschule. Die Ausbildungsdauer
beträgt zwei Jahre. Schon bei Gründung der Schule setzt man bewusst auf die Anbin-
dung an die Städtischen Bühnen, um eine solide und praxisorientierte Ausbildung
zu garantieren.
Der Theatermacher und langjährige Intendant der Münchner Kammerspiele
(1917-1944) Otto Falckenberg stirbt im Dezember 1947. Auf einer Gedenkfeier in den
kriegsbeschädigten Schulgebäuden, damals noch in der Herrnstrasse unweit der
Münchner Kammerspiele gelegen, erhält die Schule seinen Namen.
Als 1969 Hans-Reinhard Müller die Leitung der Otto-Falckenberg-Schule übernimmt,
wird die Ausbildungszeit auf drei Jahre verlängert. In der Hildegardstrasse 3, in
direkter Nachbarschaft zu den Münchner Kammerspielen, findet die Schule eine neue
Bleibe. Das Haus in der Herrnstrasse wird abgerissen. Helmuth Matiasek übernimmt
1972 die Leitung und richtet im Folgejahr den Studiengang Regie ein.
1982 beschließt der Stadtrat, die Otto-Falckenberg-Schule in eine Städtische Fach-
akademie umzuwandeln. Die Ausbildungszeit wird auf vier Jahre verlängert. Die
Raumsituation stellt sich durch die nun höhere Schülerzahl als zunehmend
problematisch heraus. Erste Ideen für eine Schulerweiterung entstehen. Ausgelöst
durch die Generalinstandsetzung der Münchner Kammerspiele zieht die Schule 1998
interimsweise auf ein aufgelassenes Industrie-Areal an der Dachauer Strasse um.
Die Generalinstandsetzung der Schule wird im März 2006 abgeschlossen. Anfang
2008 kann das neue Studiogebäude der Schule in der nahe gelegenen Stollberg-
strasse in Betrieb genommen werden.
Der Namensgeber der Schule, der 1873 geborene Otto Falckenberg, kommt nach
einigen Jahren schriftstellerischer Tätigkeit in Berlin und München 1914 als
Regisseur an die Münchner Kammerspiele. Nach vielen erfolgreichen Inszenierungen
übernimmt er das Theater 1917 als künstlerischer Leiter. Bis zur vorübergehenden
Schließung der Münchner Kammerspiele 1944 werden sowohl Klassiker als auch
zeitgenössische Stücke gezeigt. Shakespeare- und Brecht-Inszenierungen bilden
Schwerpunkte auf dem Spielplan. Neben seiner Arbeit als Regisseur macht sich
Otto Falckenberg zudem einen Namen durch seine kluge Führung des Theaters und
eine Ensemblepflege, der man sein pädagogisches Talent anmerkt. Falckenberg
hat eine Gabe, Talente zu entdecken und zu fördern. Mit Therese Giehse, Kurt
Horwitz und Carl Wery seien nur wenige Namen genannt.
Während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes müssen sich die Münchener
Kammerspiele besonders im Bereich der avantgardistischen Stückauswahl
einschränken. Falckenberg, der kein Parteimitglied ist, bekennt sich häufig dazu,
unpolitisch zu sein. Nach Kriegsende erhält er die Leitung der Münchner
Kammerspiele jedoch nicht zurück. Er zieht sich aufs Land zurück, wo ihn immer
wieder junge angehende Schauspieler besuchen, um Schauspielunterricht zu
erhalten. Aus Gesprächen über die Frage der Schauspielausbildung und durch seine
langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Schauspielern formuliert er in seinen letzten
Lebensjahren die Grundüberzeugung, dass Persönlichkeit und Phantasie im
Mittelpunkt der Ausbildung stehen sollten. Otto Falckenberg stirbt am 25. Dezember
1947 und wird in Starnberg beigesetzt.










