SUSN

von Herbert Achternbusch

Inszenierung: Thomas Ostermeier

Schauspiel

Achternbusch erzählt in wenigen Bildern das Leben der rothaarigen Susn aus dem Bayerischen Wald. Susn ist eine freie Radikale, die an den Zwängen ihrer Welt ebenso radikal scheitert wie sie gegen sie aufbegehrt. Im ersten Bild sieht man sie als 17-jährige Schülerin beichten. In einem sprudelndem Erzählfluss zieht sie eine erste Lebensbilanz und verteidigt ihre wilde Entschlossenheit, aus der Kirche auszutreten. „Ich wollte nicht länger in der Gemeinschaft derer bleiben, von denen ich weiß, dass ihr Glaube nur eine Kopfhaltung ist.“ Zehn Jahre später sehen wir Susn, inzwischen hoffnungsfroh vom Land in die Stadt gezogen, in ihrem Studentenzimmer. Allein. In einer Gewitternacht. Mit den Mitteln der fortgesetzten Selbstbehauptung durch Sprache entsteht eine erotische Phantasmagorie, die endet mit dem Schrei aus der Musik „Be Careful With That Axe Eugene.“ Weitere zehn Jahre später lebt Susn mit einem Schriftsteller, dem sein Schreiben längst zum alle anderen ignorierenden Selbstgespräch geworden ist. Im letzten Bild sitzt Susn schnapsbewehrt in einer Kirche. „Ja, oft mecht i koan Menschn mehr sehng und von koan Herrgott was wißn, aber wer solltn mir zuhörn, wenn net der Herrgott?“ Achternbusch hat seine Susn mit einem Lebenshunger ausgestattet, für den es in der Welt, so wie sie sie vorfindet, nicht die entsprechende Nahrung gibt. Zugleich besitzt sie eine ungeheure Verweigerungsenergie. Das muss natürlich himmeltraurig enden. Denn: „Wahrscheinlich ist die Revolution eben doch ein jetzt täglich zu leistender Prozess und nicht ein einziger blutiger Tag auf den man hinarbeiten muss.“

Mit

Brigitte Hobmeier, Gundars Āboliņš

Inszenierung

Thomas Ostermeier

Bühne und Kostüme

Nina Wetzel

Video

Sebastien Dupouey

Licht

Björn Gerum

Musik

Nils Ostendorf

Dramaturgie

Julia Lochte
pressestimmen

"Die künstlerische Symbiose von Oster- und Hobmeier gebiert ein Ungeheuer an szenischer Intensität. Ausstattung wie die trostlos verregneten Outbacks Bayerns, Flaschenbier, dörfliche Vergnügungen wie der Spielautomat oder die Kloschüssel, auf der Susn mit heruntergelassener Strumpfhose in aller Stille sterben wird, sind zwar gut abgehangene Versatzstücke, des süddeutschen Küchenrealismus, selten aber wird der Unterschied zwischen kulinarisch verelendetem Naturalismus und anrührend wahrhaftigem Realismus machtvoller demonstriert als hier." (Abendzeitung)

"Ostermeier (setzt) mit dem Stück seine mit Fassbinders "Die Ehe der Maria Braun" so vielversprechend begonnenen Zusammenarbeit mit Brigitte Hobmeier fort, die mit ihrer zugleich naturkindhaften und ätherischen Aura die Idealbesetzung ist für die rothaarige Susn, eine Madonna mit Bodenhaftung. ... Ostermeiner, der in der Nähe von Landshut aufwuchs, und Hobmeier, die als Kind ihre Ferien bei den Großeltern in Niederbayern verbrachte, bringen die nötige Lokalkompetenz mit für diesen tragikomischen Heimatabend. Gelungen ist ihnen eine ebenso zarte wie eindringliche Beschwörung des sanften Grusels mit Zitherspiel und Leberkäs aus der Aluschale." (Süddeutsche Zeitung)

"Regisseur Thomas Ostermeier beweist großes Gespür für die Tragik dieser gescheiten, gescheiterten Susn, die Brigitte Hobmeier mit Haut und Haar spielt, "Kunst", sagt sie am Anfang, „kunst die ned anständig verabschieden? Servus...“. Der Satz, [...] umreißt es gut: Um Kunst, ihre regionale Verwurzelung und Verwirklichung, um Abschied und eine Lebensbilanz geht es." (Frankfurter Rundschau)