Kammer 1

POINT OF NO RETURN

VON YAEL RONEN UND ENSEMBLE

Inszenierung: Yael Ronen

Schauspiel

Für ihre Inszenierung begann Yael Ronen unter dem Titel „Point Of No Return” im Juli 2016 einen Probenprozess, der gegenwärtige Beziehungen und die Zukunft des Sex unter dem Einfluss technologischer Entwicklungen untersuchen wollte: Dating-Apps, Körperimplantate und Cyber-Sex sollten Gegenstand der gemeinsamen Gespräche und Recherchen mit den Schauspielern werden. Am 22. Juli verübte plötzlich David S. in München einen Amoklauf, der die ganze Stadt in Aufruhr versetzte. Die Angst der Münchner Bürgerinnen und Bürger machte aus dem Attentat einen Terroranschlag mit 67 Zielen. Und auch die SchauspielerInnen erlebten diesen Abend auf je ihre Weise. Das Thema änderte sich schlagartig, jenes einschneidende Ereignis schien ein “Point Of No Return” zu sein. Gemeinsam mit den Schauspielern wandte sich Yael Ronen den komplexen psychologischen Dynamiken eines jeden Einzelnen während solcher Attentate und dem allgegenwärtigen Thema Terror zu. Jeder ist ist gefangen in der eigenen Reaktion, irgendwo zwischen realen Eindrücken und angstbesetzten Imaginationen und den durch Medien vemittelten, unbewussten Bildern, aus denen es – wie es scheint – kein Weg zurück gibt. Dabei verwebt sich an diesem Abend auch die permanente Bühnensituation, die Realität der Schauspieler mit Fiktion und Realität, unsere westliche privilegierte Perspektive, die eigene Selbstbezüglichkeit und die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe eines jeden auf der Bühne mit den realen Geschehnissen in der Welt.
„Point Of No Return“ bezeichnet jene einschneidenden Momente, an denen etwas nicht mehr rückgängig zu machen ist. In der Geschichtswissenschaft beispielsweise gilt er als der Zeitpunkt, an dem eine historische Entwicklung unwiderruflich ihren Lauf nimmt. Gleichzeitig lässt sich dieser Moment auf vielen Ebenen erforschen: Was bedeutet dieser „Point Of No Return“ auf der individuellen Ebene oder in seiner politischen Dimension – ein utopischer oder dystopischer Moment?



Mit

Niels Bormann, Dejan Bućin, Damian Rebgetz, Wiebke Puls, Jelena Kuljić, Wolfgang Menardi

Inszenierung

Yael Ronen

Bühne

Wolfgang Menardi

Kostüme

Amit Epstein

Sounddesign

Yaniv Fridel

Video

Claudius Schulz, Angelika Widel, Wolfgang Menardi

Licht

Jürgen Tulzer

Musik

Yaniv Fridel, Ofer (OJ) Shabi

Dramaturgie

Johanna Höhmann

Recherche/künstlerische Mitarbeit

Bastian Zimmermann

Uraufführung am 27. Oktober 2016

pressestimmen

"Point Of No Return" heißt das Stück in den Münchner Kammerspielen, das die Zuschauer geradeheraus bei ihren Ängsten packt und damit ein schwarzhumoriges Spiel treibt..." (SZ)

"Ein viertel Jahr nach dem Münchner Amoklauf macht sich die Regisseurin Yael Ronen nun spielerisch darüber her. Ronen ermöglicht dem Zuschauer in "Point Of No Return" an den Münchner Kammerspielen nicht weniger als eine Katharsis - und das mit den Mitteln der Komödie" (Deutschlandradio Kultur)

"Ungeheuer eindringlich und vor allem mit entlarvendem Humor zeigt das Stück, wie sich an dem Mehrfachmord unbeteiligte Menschen vor allem Sorgen um das Bild machen, das sie abgeben, über die Rolle, die sie an diesem denkwürdigen Abend spielen wollen." (Welt)