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JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN

von Martin Sperr

Inszenierung: Martin Kusej

Schauspiel

Das Dorf riecht nach Schweinsbraten. Eine halbe Kuh hängt von oben herab, in einem großen Kessel wird Fleisch für Würste gekocht. Alle gehen ihrer Arbeit nach, in der Metzgerei oder auf dem Feld. Und alle reden. Es brodelt im Dorf. Denn Abram ist wieder da, nachdem er in der Stadt im Gefängnis war. Jetzt repariert er Maschinen auf dem Hof bei Maria. Abram ist schwul und soll wieder weg. Das findet sogar seine Mutter. Nur Tonka will, dass er da bleibt, die Dorfschlampe, die sagt, sie kriege ein Kind.

„Ich komme aus exakt einem solchen Dorf und kenne das alles zu genau. Ich habe diese drückende Atmosphäre mit der Milch mitbekommen: die bedrohliche Enge, die ewig gleichen Vorurteile, die korrupte Verlogenheit, die bigotte Frömmigkeit. Besonders spannend finde ich das Uneindeutige der Figuren. Man versteht nie wirklich, wie sie eigentlich sind: schlampig oder brav, schwul oder nicht, anständig oder verräterisch.“ (Martin Kušej)

ZUM LETZTEN MAL AM 9. MÄRZ 2016

pressestimmen

"Das Tolle an Kušejs Inszenierung ist auch, dass im Verharren der von Sperr skizzierten Grundsituation die Aufführung zur allgemeingültigen, gesellschaftlichen Studie wird. Da braucht es keine Tagespolitik. Die denkt man implizit mit. [...] Ein Spitzenensemble hat Kušej von Johan Simons hier bekommen, mit dem Totengräber Michael Tregor, mit Hans Kremer und Cristin König als ein Paar, das nur zueinander hält, weil die anderen noch widerwärtiger sind, mit lauter Akteuren, die mit Lust zwei Stunden Sauschlachten spielen, und doch nie zur Karikatur werden. Und dann ist da noch Gundi Ellert. […]" (Süddeutsche Zeitung)

"Schauriger Höhepunkt des Stückes: ein dörflicher Schlachttag. Die Bewohner, angetan mit besudelten Schlachterschürzen, eilen ächzend mit blut verschmierten Kübeln und Wannen über die Bühne und man weiß nicht recht, ob sie statt eines Schweins nicht doch einen Menschen geschlachtet haben. Kušej inszeniert das alles stilsicher und ohne Effekthascherei im fast edlen Trash-Ambiente von Bühnenbildnerin Annette Murschetz." (Mittelbayerische Zeitung)

"Den [Abram] spielt Katja Bürkle als androgynen Blondschopf und wurde vom Premierenpublikum zu Recht gefeiert: Weitaus feiner als das übrige wie mit dem Schlachtermesser modellierte Personal ist sie ein Getriebener, ständig auf dem Sprung und in Lebensgefahr energetisch bis zum Animalischen. Das könnte einem so weichen, einsamen Mädel ohne Eigenschaften, das Anna Drexler aus der Tonka macht, durchaus gefallen haben.." (Abendzeitung)