Kammer 1
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DER KAUFMANN VON VENEDIG

von William Shakespeare

Inszenierung: Nicolas Stemann

Schauspiel

Ein Schuldenschnitt seitens des Kreditgebers ist schließlich nicht mehr möglich. Unnachgiebig wird er auf die Begleichung der Schuld bestehen. Denn die Schuldner hatten zuvor klar gemacht: wir brauchen dein Geld. Keine gemeinsame Idee wird uns je verbinden.

Dies Kreditgeschäft einer Elterngeneration schafft die Bedingungen, unter denen nun die Erben definieren müssen, was sie im Innersten zusammenhält. Bisher war ihrem Leben ein vergoldeter Rahmen gesetzt, nun, da der Putz auf Pump bröckelt, steht der Wert ihrer Lebensweise zur Disposition. Und damit ihre Haltung zu ihrer/n Schuld(en), ihr Verhältnis zum Geld und zur Liebe, zur Welt und zu sich selbst.

Shakespeare hat „Komödie“ über sein Stück geschrieben. Es geht um Zerrbilder einer Gesellschaft, in der das Geld das Drinnen oder Draußen bestimmt, Macht und Ohnmacht verteilt, über Heimat oder Geworfensein entscheidet.

Vier Jahre nach seiner vielfach ausgezeichneten „Faust“-Inszenierung, nimmt sich Hausregisseur Nicolas Stemann erneut einen Klassiker vor: um abermals mit einem Ensemble aus MusikerInnen, SchauspielerInnen und einer Videokünstlerin das Drama als Partitur zu begreifen. Als Vorlage zu einem „Konzert“, in dem der Text zunächst einmal zum Klingen gebracht wird und die Stimmungen, die dabei erzeugt werden und das Verhältnis, das die „Musizierenden“ zu ihm gewinnen, schließlich vergegenwärtigende Bedeutungsräume öffnen.




Drei Fragen an

Wie umgehen mit den Fragen, die sich aufdrängen um Shakespeares „Kaufmann von Venedig“? Eine abschließende Deutung des Stoffes scheint ob der aufgeladenen Gedankengänge, die sich sehr real auch auf Ereignisse und Diskurse unserer heutigen Zeit beziehen, unmöglich. Daher haben wir für das Programmheft Personen des öffentlichen Lebens - Schriftsteller, Kuratoren, Historiker, Politiker, Künstler, Regisseure - gebeten, uns durch drei Fragen von uns herausgefordert ihre Überlegungen mitzuteilen. Unter den Befragten waren u.a. Elfriede Jelinek, Peer Steinbrück oder Maxim Biller - und wir fragen weiter:

Drei Fragen an – ...


Mit

Hassan Akkouch, Niels Bormann, Walter Hess, Jelena Kuljić, Julia Riedler, Thomas Schmauser

sowie

Thomas Kürstner, Sebastian Vogel

Inszenierung

Nicolas Stemann

Bühne

Katrin Nottrodt

Mitarbeit Bühne

Daniel Unger

Kostüme

Marysol del Castillo

Live-Video

Claudia Lehmann, Vanessa Ivan, Lilli Thalgott

Video

Claudia Lehmann

Licht

Jürgen Tulzer

Musik

Thomas Kürstner, Sebastian Vogel

Dramaturgie

Benjamin von Blomberg

Premiere am 09. Oktober 2015

pressestimmen

„Er (Nicolas Stemann) inszeniert Shakespears „Der Kaufmann von Venedig“ als Eröffnungspremiere der Intendanz Matthias Lilienthals an den Münchner Kammerspielen. Und er tut es furios, findet spielerisch das Gleichgewicht zwischen Auflösung der Textstruktur und einer erstaunlichen Nähe zum Original (in der Übersetzung von Elisabeth Plessen) […] Stemann, Jelinek-Spezialist, behandelt seinen Shakespeare wie eine postdramatische Textfläche. Und siehe da, es bekommt ihm gut. (Die deutsche Bühne, Anne Fritsch)

„Die Darsteller, allen voran der stets für Überraschungen gute Thomas Schmauser und die ruppig-agile Julia Riedler folgen ihrem Spiel einer gelenkten Suchbewegung. […] Man kann den alten und neuen Gesichtern des Ensembles ihrer Darstellung im Spiel zusehen. Auf wundersame Weise wird man so als Zuschauer tief in das Stück hineingezogen. Eine Entdeckungsreise.“ (K. Erik Franzen, Frankfurter Rundschau)