Kammer 1
Large  arm1908

CASPAR WESTERN FRIEDRICH

von Philippe Quesne

Inszenierung: Philippe Quesne

Schauspiel

„Caspar Western Friedrich“ vereint das Epische des Western-Genres mit der Metaphysik der romantischen Malerei. Inspiriert vom einsamen Cowboy sowie den Bildern und der Persönlichkeit des Malers Caspar David Friedrich, entfaltet sich mittels der großen Theatermaschinerie eine riesige Landschaft. Eine Landschaft, die wie die Gemälde der deutschen Romantik Sinnbild für einen inneren und veräußerlichten Zustand ist und mit den Materien der Natur spielt, sich in der Plastizität der Nebelschwaden und der Fragilität gasförmiger Agregate abzeichnet und unter einer verflüssigten Sonne leuchtet.

„Caspar Western Friedrich“ mäandert in Richtung des unerreichbaren Horizonts und hinterfragt den Platz des modernen Menschen in der Welt. Ausgehend vom kollektiven Bildgedächtnis des Western und einer bildhaften Reflexion stellt die Inszenierung unsere Verbindung zur Natur dar, zwischen dem Willen, sie zu beherrschen und dem Wunsch, sie zu beschützen, zwischen Eroberung und Kontemplation, zwischen Ausbeutung und Ökologie.

Philippe Quesne konzipiert und inszeniert Arbeiten, die auf einer starken Verbindung zwischen Raum, Bühnenbild und Körpern basieren. Seine multidisziplinaren Performances sind international auf Festivals zu sehen. Seit 2014 leitet er das Theater Nanterre – Amandiers in Paris.




Das Finden der Bilder – Ein Probenbesuch bei „Caspar Western Friedrich“ von Lisa Mayerhöfer


Mit

Peter Brombacher, Johan Leysen, Stefan Merki, Julia Riedler, Franz Rogowski

Inszenierung

Philippe Quesne

Bühne

Philippe Quesne

Bühnenbildassistenz

Elodie Dauguet

Licht

Philippe Quesne, Pit Schultheiss

Dramaturgie

Johanna Höhmann

Künstlerische Mitarbeit

Leo Gobin, Elodie Dauguet

Konzept

Philippe Quesne

Uraufführung am 28. Januar 2016

pressestimmen

Wie immer in den Arbeiten des Regisseurs, Bühnenbildners und Autors konstruieren die Darsteller auf der Bühne eine eigene Welt, ein Vivarium, um den Namen seiner Theaterkompagnie zu zitieren, eine Blase, ein abgeschlossenes Universum, und hier: eine Landschaftsfabrik. Ein Museum, das es einem erlaubt, auf das Werk des romantischen Malers Caspar David Friedrich durch das Prisma des Western zu schauen! Diese Verbindung von Elementen, die auf den ersten Blick nicht zueinander zu passen scheinen, liegt eigentlich auf der Hand: In beiden Fällen ist der Mensch in den unendlichen Weiten der Landschaft verloren ohne die Grenzen (mit Waffen und Massakern) überwinden zu müssen oder wird von hinten bestaunt – so wie auch wir, die Zuschauer, die Darsteller auf der Bühne betrachten.(Anne Diatkine, Deutschland im Westen, Libération, 12.02.2016)

Kein Gewehr ist in Sichtweite, und dennoch ist die Bühne so unruhig wie der Ozean vor einem aufkommenden Tsunami. Die Naturkatastrophe ist nie weit entfernt, wenn die Darsteller sich mit Styroporsteinen bewerfen oder einer von ihnen nackt in ein Wolkenmeer springt. Als Suizid oder als lustvoller Akt? Wenn Peter Bromacher sich vor einem der Gemälde daran erinnert, wie die Wanderungen seiner Jugend sich zu sentimentalen Abgründen aufgetan haben, wird die Empathie der Zuschauer nur umso größer, da seine Einsamkeit eine geteilte ist. In dieser Inszenierung lädt Philippe Quesne, noch mehr als in den vorangegangenen, die Schauspieler ein, mit ihrer in Vergessenheit geratenen, intimen Erinnerung zu spielen. Und es ist schließlich bei der Rast auf dem Gipfel eines künstlichen Felsens, dass sie authentisch und mit freudvoller Ironie aufblitzt.(Anne Diatkine, Deutschland im Westen, Libération, 12.02.2016)